Earnie Frost: Wie der Winter zum Sommer kam

Die Null stellt die perfekte Balance zwischen positiv und negativ da: Du bist genau da, im Hier & Jetzt. In Zeiten von Stress ist es gut, sich auf den Nullpunkt zu begeben. Für Earnies Großmutter saß der Null-Punkt wie die Nabe des großen Schwungrades in der Lokomotive, um die sich die Achse dreht. Dort ist alles so wie es ist, weder gut, noch schlecht. „Es ist, was es ist“, sagte Earnie. „Du entscheidest darüber und es ist gut, dass du es tust.“  Für die Cherokee habe die Null die Bedeutung des Ratsfeuers, um den sich herum der Stamm verbindet. Während wir im Sommer viel im Draußen waren, so ziehen wir uns jetzt im Winter in die Häuser zurück. Das treffe bildlich auch auf unseren Geist zu, der sich nun im Winter wieder mehr mit unserer inneren Gefühlswelt beschäftigen kann. Innenschau ist angesagt.
Von meinem Mentor Wolfgang Peham kenne ich diese indianische Tradition zum Jahresende – die Erneuerung deiner Medizin: Bevor wir in das neue Jahr eintreten bietet die Wintersonnenwende die Gelegenheit zur Rückschau. Wir verabschieden uns aus diesem Jahr mit dem Dank an all die magischen Momente: Der Fahrradausflug mit den Kindern, das neue Gemüsebeet im Garten, die tägliche Meditation am Morgen. Wir danken auch den Herausforderungen, die sich gezeigt haben. Was war das Lernen, was war das Geschenk? Schau auch, wie deine Handlungen waren und ob sie in Balance zu dir, deiner Familie und deiner Umwelt in Einklang waren. Sitze damit einen Moment und mach dir dann auch einige Notizen. Den Zettel kannst du dann mit einem Stöckchen zusammen am Tag der Wintersonnenwende, dem 21. Dezember (und natürlich auch noch später) verbrennen.
In den Stammeskulturen zählte das Wir des Stammes mehr, als das Individuum. Zurück noch einmal zu dem Cherokee Earnie. „Wir beten nicht für uns selber“, sagt. Und das vor Weihnachten:) Doch vielleicht sollte nicht jeder seinen eigenen Wunschzettel abschicken. „Stell dir eine Gruppe von 100 Menschen vor, für die du betest. Doch gleichzeitig beten 99 für dich“, sagt er. Was für ein Unterschied.
Veränderungen und große Klimaschwankungen hat es immer gegeben, so Earnie weiter. Die derzeitige Erderwärmung geht in diesem Ausmaß jedoch auf unser Konto, inklusive der unzähligen die Natur missachteten Handlungen. Auf der anderen Seite haben wir das Wissen, was wir dagegen tun können. Was kann ich tun, was mein Umfeld beeinflusst.
Vielleicht gibt es irgendetwas, was du persönlich für die Erde tun kannst, um damit einen Unterschied zu machen, zum Beispiel kein Fleisch mehr aus Massentierhaltung zu essen oder einen weiteren Schritt bei der Müllvermeidung zu unternehmen. Es mag nur ein kleiner Wellenschlag sein, erzählt und inspiriert euch davon, sodass etwas ganz Großen entstehen kann. Schreib es jetzt auf und übergib es ebenfalls dem Feuer.
Die Schöpfung, wie wir sie kennen, geht nie zu Ende, sie ist jedem Einzelnen von uns übertragen worden. Wenn wir bildlich an diesem „Nullpunk“ sind, können wir klarer sehen, was wir reinzurufen bereit sind. Earnie Frost: „Wir müssen bereit sein, das auch wahr werden zu lassen.“ Dann könne der Frühling auf Absichten Taten folgen lassen.
Auf die Frage, wie ich denn wissen kann, ob das, was ich mache der richtige Weg ist, antwortet Red Fire Preast Earnie: „Im Moment der Handlung kannst du es nicht wissen. Das zeigt erst die Erfahrung. Schließlich warst du noch nie auf diesem Weg, wie kannst du ihn dann kennen, aber du spürst jeden Schritt auf dem neuen Weg.“ Unterwegs wirst du dich immer wieder ausrichten, einen Schritt gehen und dann den nächsten … „Gib nie die Möglichkeit auf, die Dinge zu ändern. „Sicher kannst du dir nicht sein, nicht mal die Götter. Aber über eins kannst du dir sicher sein: Du kannst deine Meinung ändern, ohne dich schuldig zu fühlen.“
„Earnie wurde im Zeichen einer Prophezeiung in die Nation der Cherokee in Oklahoma geboren, als Red Fire Priest. Als Säugling überlebte er 1 Woche ausgesetzt in der Wildnis mit einer speziellen Milchmischung. Es war Zeit seines Lebens seine Vision, die Red and White Cherokee wieder zu vereinen – eine Aufgabe, an die niemand geglaubt hat, aber es ist ihm in 2016 gelungen. Er lebt zurückgezogen in der Saguaro Wüste am Rande von Tuscon/Arizona. Nach einer schweren Krankheit, schreibt er jetzt seine spannende Geschichte auf und hält immer wieder kleine Talks mit uns und unseren Freunden, um seine Weisheit weiterzugeben.“       Annette Lachmann

Siehe auch: https://rainbowshaman.podbean.com/e/interview-with-the-cherokee-earnie-frost-on-the-cherokees-perspektive-on-life-and-death/